| Walsroder Zeitung vom 19.02.2005 | |||
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Wenn Kinder den Krebs vergessen können Von Torben Hildebrandt Krebs im Kindesalter: Die Diagnose ist erschütternd.Wie ein tiefes Loch, in das ganze Familien fallen. Wie ein Albtraum, der nicht enden will. In der Station 64a der Medizinischen Hochschule Hannover helfen Ärzte, Schwestern und ein ehrgeiziger Verein den jungen Patienten und ihren Eltern wieder zurück ins Leben – mit Mitteln, die anderswo schon wegrationalisiert sind. Wenn Gefühle und Zeit auf dem Therapieplan stehen.
In Hannover haben nicht nur Ärzte und Schwestern Anteil daran, sondern auch ehrenamtliche Helfer und betroffene Eltern: Der „Verein für krebskranke Kinder“ schafft täglich eine Atmosphäre, in der sich die jungen Patienten wohl fühlen. 400 Mitglieder, Festgesellschaften und Firmen spenden Geld und Zeit, damit es den Kleinsten der Gesellschaft gut geht. Der Verein kümmert sich um Spielzimmer, hat Wohnungen und Appartements in MHHNähe angemietet, in denen Eltern untergebracht werden. Die stillen Sponsoren finanzieren Forschungsprojekte und sogar eine ganze Arztstelle, betreuen die Kinder mehrmals in der Woche – das schafft Entlastung im Alltag. „Ich tue keinem weh, ich komme weder mit der Spritze noch mit Tabletten“, beschreibt die zweite Vorsitzende Helga Opitz den besonderen Draht zu ihren Schützlingen. Auch Künstler Rainer Mörk bekommt sein Geld vom Verein. Ohne ihn hätten die Kinder eine Attraktion weniger, und die Flure wären ohne die Kinderbilder kahl, wie Krankenhausflure im Neonlicht nun einmal kahl sind. Helga Opitz war früher Lehrerin, heute schaut sie dreimal in der Woche auf 64a vorbei. „Ich hatte Zeit und Kraft, so etwas zu machen“, sagt die zweite Vorsitzende mit einer Selbstverständlichkeit, die keine Fragen offen lässt. Wenn sie die Schleusen zu den keimfreien Krankenzimmern – den „Boxen“ – betritt , wenn sie das Kinderlachen im Stationsflur hört, wenn sie mit den Kleinen spielt, mit den Eltern frühstückt, mit Geschwisterkindern Spazieren geht, dann fühlt sie sich gut. „Es ist ein Geben und Nehmen“, lächelt Helga Opitz. „Ich freue mich, wenn ich merke, dass die Hilfe ankommt.“ Zu vielen Familien baut sie über Monate Vertrauensverhältnisse auf – ohne dabei falschen Optimismus zu erzeugen. „Man darf nie sagen, es wird alles wieder gut“, hat Helga Opitz für sich beschlossen. Denn manchmal wird es einfach nicht wieder gut, manchmal hören auch in der bunten, verspielten Welt von 64a Kinderherzen auf zu schlagen. Helga Opitz trauert mit. Und so paradox es klingt: Mitunter hat sie den Kindern die schönsten Tage ihres jungen Lebens beschert. Walsroder Zeitung, 19.02.2005 |
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